Notgroschen: Wie viel Geld solltest du als Rücklage haben?
Die Waschmaschine geht kaputt, das Auto braucht eine neue Kupplung, oder du verlierst unerwartet deinen Job. Ohne finanzielle Rücklage wird jede dieser Situationen zum echten Problem. Laut einer ING-Studie haben rund 30 % der Deutschen keine nennenswerten Rücklagen — ein finanzielles Risiko, das sich leicht vermeiden lässt. In diesem Artikel erfährst du, wie viel Notgroschen du wirklich brauchst, wie du ihn aufbaust und wo du das Geld am besten aufbewahrst.
Warum ein Notgroschen so wichtig ist
Ein Notgroschen ist kein Luxus, sondern die Grundlage jeder soliden Finanzplanung. Ohne Rücklage bist du gezwungen, bei unerwarteten Ausgaben auf den Dispo zurückzugreifen (aktuell oft 10–14 % Zinsen), einen teuren Ratenkredit aufzunehmen oder sogar langfristige Anlagen ungünstig aufzulösen.
In Deutschland gibt es zwar ein soziales Sicherungsnetz — Arbeitslosengeld, Krankengeld, Kurzarbeitergeld — aber diese Leistungen decken oft nur einen Teil deines bisherigen Einkommens ab. Arbeitslosengeld I liegt bei 60 % des letzten Nettogehalts (67 % mit Kind), und selbst das gibt es nur für 6–24 Monate, abhängig von der Beschäftigungsdauer.
Die richtige Höhe: Drei bis sechs Monatsausgaben
Die gängige Empfehlung lautet: Drei bis sechs Monatsausgaben als Notgroschen. Nicht Monatsgehälter — Monatsausgaben. Der Unterschied ist wichtig, weil die meisten Menschen nicht ihr komplettes Gehalt ausgeben.
Um deine tatsächlichen Monatsausgaben zu ermitteln, schau dir deine Kontoauszüge der letzten drei Monate an. Typische fixe Ausgaben für einen Single-Haushalt in Deutschland:
- Miete (warm): 700–1.200 € (je nach Stadt und Wohnungsgröße)
- Lebensmittel und Drogerie: 250–400 €
- Versicherungen (Haftpflicht, Hausrat, BU etc.): 80–200 €
- Mobilität (Auto/ÖPNV/Deutschlandticket): 49–400 €
- Handy und Internet: 30–60 €
- Strom und Gas (Abschlag): 80–150 €
- Sonstige Fixkosten (Streaming, Fitness etc.): 30–100 €
Für einen Single mit monatlichen Ausgaben von 1.800 € bedeuten drei Monatsausgaben einen Notgroschen von 5.400 €, sechs Monate wären 10.800 €. Für eine Familie mit 3.500 € Monatsausgaben liegt der Zielbereich bei 10.500–21.000 €.
Wann eher drei Monate reichen und wann du sechs brauchst, hängt von deiner persönlichen Situation ab:
- Drei Monate reichen oft, wenn du eine sichere Festanstellung hast, keine Kinder, keine Immobilie und dein Partner ebenfalls verdient.
- Sechs Monate (oder mehr) sind sinnvoll, wenn du Alleinverdiener bist, Kinder hast, selbstständig arbeitest, eine ältere Immobilie besitzt oder in einer Branche mit hohem Entlassungsrisiko tätig bist.
Wo parkt man den Notgroschen am besten?
Der Notgroschen muss drei Bedingungen erfüllen: jederzeit verfügbar, sicher und getrennt vom Girokonto. Das schränkt die Auswahl ein.
Tagesgeldkonto: Die beste Wahl für den Notgroschen. Du kommst jederzeit an dein Geld, es ist durch die Einlagensicherung bis 100.000 € geschützt und bringt aktuell 2,5–3,5 % Zinsen. Wichtig: Eröffne ein separates Tagesgeldkonto, das du ausschließlich für den Notgroschen nutzt. So kommst du nicht in Versuchung, es für den nächsten Urlaub anzuknabbern.
Girokonto: Funktioniert technisch, ist aber psychologisch schlecht. Wenn der Notgroschen neben dem Alltagsgeld liegt, wird die Grenze schnell verwischt. Außerdem gibt es hier null Zinsen.
Festgeld: Nicht ideal, weil du im Notfall nicht sofort rankommst. Wenn du aber bereits sechs Monate auf dem Tagesgeld hast, kannst du den Betrag über drei Monate auf einem Festgeldkonto als zusätzlichen Puffer anlegen — Stichwort „Zinstreppe".
So baust du deinen Notgroschen Schritt für Schritt auf
Wenn du noch keine Rücklagen hast, wirken 5.000 € oder 10.000 € wie ein Berg. Der Trick ist, es in kleine, machbare Schritte zu zerlegen:
- Schritt 1: Starte mit einem Mini-Notgroschen von 1.000 €. Das deckt die meisten alltäglichen Notfälle ab (Autoreparatur, kaputter Kühlschrank). Spar dafür 200 € pro Monat — in 5 Monaten bist du bei 1.000 €.
- Schritt 2: Erhöhe auf drei Monatsausgaben. Richte einen Dauerauftrag auf dein Notgroschen-Tagesgeldkonto ein. Selbst 100 € pro Monat bringen dich in 1–2 Jahren ans Ziel.
- Schritt 3: Nutze „Windfall-Geld" für Boost-Einzahlungen. Steuerrückerstattung, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Gehaltserhöhungen — statt alles auszugeben, leg mindestens die Hälfte auf den Notgroschen.
- Schritt 4: Erst wenn der Notgroschen voll ist, fang an, in ETFs oder andere Anlagen zu investieren. Sonst bist du im Notfall gezwungen, dein Depot mit Verlust aufzulösen.
In Deutschland bekommt fast jeder Arbeitnehmer eine Steuerrückerstattung — im Durchschnitt über 1.000 €. Wer dieses Geld konsequent in den Notgroschen steckt, hat innerhalb von 2–3 Jahren eine solide Rücklage aufgebaut, ohne den Alltag einschränken zu müssen.
Notgroschen und Sozialversicherung: Was Deutschland dir abnimmt — und was nicht
Viele Deutsche denken: „Ich bin doch sozialversichert, wozu brauche ich einen Notgroschen?" Das stimmt zum Teil — das deutsche Sozialsystem fängt vieles ab. Aber es gibt erhebliche Lücken.
- Arbeitslosengeld I: 60 % netto (67 % mit Kind), maximal 24 Monate. Danach Bürgergeld — und das liegt für Alleinstehende bei 563 € plus Miete.
- Kurzarbeitergeld: 60 % des ausgefallenen Nettolohns (67 % mit Kind). Kann monatelang dauern und reißt ein echtes Loch ins Budget.
- Krankengeld: Ab der 7. Woche zahlt die Krankenkasse — 70 % des Brutto, maximal 90 % des Netto. Wer einen Monat krank ist, hat schon 6 Wochen Arbeitgeber-Fortzahlung, aber ab Woche 7 fehlen 10–30 % vom gewohnten Einkommen.
- Pflegefall in der Familie: Die Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Kosten. Für einen Heimplatz fallen schnell 2.000–3.000 € Eigenanteil monatlich an.
Der Notgroschen füllt genau diese Lücken. Er gibt dir die Zeit und Flexibilität, bei Jobverlust in Ruhe nach einer neuen Stelle zu suchen, statt aus Geldnot das erstbeste Angebot anzunehmen. Er verhindert, dass eine kaputte Heizung im Winter zum finanziellen Albtraum wird.
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Sollte ich meinen Dispo als Notgroschen betrachten?
Soll ich den Notgroschen aufbauen oder lieber Schulden tilgen?
Zählt mein Bausparvertrag als Notgroschen?
Mein Partner und ich haben ein gemeinsames Konto. Brauchen wir einen oder zwei Notgroschen?
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Hartono
Gründer, GoFinSolve
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