Rente

Altersvorsorge berechnen: So viel musst du für die Rente sparen

HHartono17. März 20268 Min. Lesezeit

Die gesetzliche Rente allein wird nicht reichen — das wissen die meisten. Aber wie groß ist die Lücke tatsächlich? Und wie viel müsstest du jeden Monat zurücklegen, um sie zu schließen? Die Antwort hängt von deinem Alter, deinem Einkommen und deinem gewünschten Lebensstandard ab. Dieser Artikel rechnet es dir vor — ehrlich, konkret und ohne Verkaufsabsicht.

Die Rentenlücke: Wie groß ist sie wirklich?

Die gesetzliche Rente ersetzt im Durchschnitt etwa 48 % des letzten Bruttolohns — Tendenz sinkend. Das klingt nach knapp der Hälfte, ist aber nach Steuern und Krankenversicherungsbeiträgen noch deutlich weniger. Und: Die meisten Rentenexperten empfehlen, im Ruhestand mindestens 70–80 % des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung zu haben, um den Lebensstandard zu halten.

Ein konkretes Beispiel: Lisa, 35, verdient 3.800 € brutto im Monat (ca. 2.500 € netto). Laut ihrer Renteninformation (die jährlich per Post kommt) kann sie mit einer gesetzlichen Rente von etwa 1.450 € brutto rechnen — nach Abzügen bleiben rund 1.200 € netto. Um 80 % ihres aktuellen Nettos (2.000 €) zu erreichen, fehlen ihr 800 € pro Monat. Das ist ihre Rentenlücke.

Achtung: Die Rentenlücke ist in Wirklichkeit noch größer, weil die Inflation bis zum Renteneintritt den Wert der Rente auffrisst. 1.200 € in 30 Jahren haben bei 2 % Inflation nur noch die Kaufkraft von rund 660 € heute.

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland erhält ab 27 Jahren jährlich eine Renteninformation per Post. Dort stehen drei Beträge: die aktuelle Rente (wenn du sofort aufhören würdest), die voraussichtliche Rente (wenn du so weitermachst wie bisher) und die voraussichtliche Rente inklusive Rentenanpassungen. Nimm den mittleren Wert als Ausgangspunkt für deine Berechnung.

Die drei Säulen der Altersvorsorge in Deutschland

Das deutsche Rentensystem basiert auf drei Säulen. Jede hat ihre Stärken und Schwächen:

Erste Säule: Gesetzliche Rentenversicherung. Als Arbeitnehmer zahlst du automatisch 18,6 % deines Bruttogehalts ein (je zur Hälfte Arbeitgeber und du). Die Rente basiert auf Entgeltpunkten — wer den Durchschnittslohn verdient, sammelt einen Punkt pro Jahr. Ein Punkt ist aktuell 39,32 € Monatsrente (West) wert. Die gesetzliche Rente ist umlagefinanziert: Die heutigen Beitragszahler finanzieren die heutigen Rentner. Das System steht wegen des demografischen Wandels unter Druck.

Zweite Säule: Betriebliche Altersvorsorge (bAV). Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltumwandlung — du kannst einen Teil deines Bruttogehalts in eine bAV einzahlen und sparst dabei Steuern und Sozialabgaben. Viele Arbeitgeber geben einen Zuschuss von 15 % (gesetzliche Pflicht) oder mehr dazu. Häufige Formen: Direktversicherung, Pensionskasse, Unterstützungskasse.

  • Vorteil der bAV: Steuer- und Sozialabgabenersparnis in der Einzahlungsphase, oft mit Arbeitgeberzuschuss.
  • Nachteil: Im Alter müssen die Auszahlungen voll versteuert und verbeitragt werden. Zudem bist du an den Anbieter des Arbeitgebers gebunden — die Konditionen sind oft nicht die besten.

Dritte Säule: Private Vorsorge. Hier hast du die meiste Freiheit. Die wichtigsten Optionen:

  • Riester-Rente: Staatlich gefördert (175 € Grundzulage + 300 € pro Kind). Lohnt sich vor allem für Geringverdiener und Familien mit Kindern. Kritik: Hohe Kosten, komplizierte Regeln, niedrige Renditen.
  • Rürup-Rente (Basisrente): Für Selbstständige und Gutverdiener. Die Beiträge sind steuerlich absetzbar (2026: 100 % bis 27.566 €). Nachteil: Kein Kapitalwahlrecht — es gibt nur eine lebenslange Rente, keine Einmalzahlung.
  • ETF-Sparplan: Der flexible Allrounder. Keine staatliche Förderung, dafür volle Kontrolle, niedrige Kosten und historisch die beste Rendite. Ein MSCI-World-ETF hat in den letzten 50 Jahren durchschnittlich 7–8 % pro Jahr gebracht.
  • Immobilie: Mietfreies Wohnen im Alter senkt den monatlichen Bedarf erheblich. Aber: Eine Immobilie ist nicht liquide und erfordert laufende Instandhaltung.

So berechnest du deinen monatlichen Sparbedarf

Die Berechnung ist einfacher, als viele denken. Du brauchst nur vier Zahlen:

  • Dein gewünschtes monatliches Einkommen im Ruhestand (z.B. 2.000 € netto in heutiger Kaufkraft)
  • Deine voraussichtliche gesetzliche Rente (aus der Renteninformation)
  • Dein aktuelles Alter und gewünschtes Rentenalter
  • Die erwartete Rendite deiner Geldanlage

Rechenbeispiel: Thomas, 30, will mit 67 in Rente und dann 2.000 € netto monatlich haben. Seine gesetzliche Rente wird voraussichtlich 1.200 € netto abdecken. Die Lücke beträgt 800 € pro Monat.

Um 800 € monatlich ab 67 für durchschnittlich 20 Jahre Ruhestand zu finanzieren, braucht Thomas ein Kapital von rund 192.000 € (vereinfacht, ohne Inflation und Kapitalerträge im Ruhestand). Mit 2 % Inflation und 4 % Realrendite im Ruhestand ändert sich die Rechnung — realistisch braucht er rund 250.000–300.000 € zum Renteneintritt.

Um 300.000 € in 37 Jahren aufzubauen (Alter 30 bis 67), muss Thomas bei 7 % durchschnittlicher Rendite rund 200 € pro Monat in einen ETF-Sparplan einzahlen. Bei 5 % Rendite wären es knapp 350 € monatlich.

Faustregel: Wer mit 30 anfängt und 15–20 % seines Nettoeinkommens spart, ist auf einem guten Weg. Wer erst mit 40 anfängt, muss deutlich mehr zurücklegen — der Zinseszinseffekt hat dann 10 weniger Jahre zum Arbeiten.

Riester, bAV oder ETF — was lohnt sich für wen?

Es gibt nicht die eine richtige Antwort. Die beste Strategie hängt von deiner Lebenssituation ab:

  • Angestellte mit Kindern und niedrigem bis mittlerem Einkommen: Riester kann sich lohnen, vor allem wegen der Kinderzulagen (300 € pro Kind/Jahr). Bei zwei Kindern sind das 600 € geschenkt — plus die Grundzulage von 175 €. Prüfe aber die Kosten des Vertrags.
  • Angestellte mit gutem Einkommen: bAV nutzen, wenn der Arbeitgeber ordentlich bezuschusst (20 % oder mehr). Parallel einen ETF-Sparplan als flexiblen Baustein. Die bAV allein reicht in der Regel nicht.
  • Gutverdiener und Selbstständige: Rürup-Rente für den Steuervorteil, kombiniert mit einem ETF-Sparplan für Flexibilität. Selbstständige haben keine gesetzliche Rente und müssen komplett selbst vorsorgen.
  • Für alle: Ein ETF-Sparplan gehört in fast jedes Vorsorge-Portfolio. Er ist flexibel, günstig (0,1–0,3 % TER) und liefert langfristig die beste Rendite. Selbst kleine Beträge wie 100 € monatlich machen über 30+ Jahre einen gewaltigen Unterschied.

In der Praxis fahren die meisten Deutschen am besten mit einer Kombination: Gesetzliche Rente als Basis, bAV mitnehmen wenn der Arbeitgeber bezuschusst, und den Rest über einen ETF-Sparplan abdecken. Riester nur, wenn die Zulagen sich wirklich rechnen.

Die größten Fehler bei der Altersvorsorge — und wie du sie vermeidest

Die Altersvorsorge ist ein Marathon, kein Sprint. Aber es gibt typische Fehler, die Millionen Deutsche teuer zu stehen kommen:

  • Zu spät anfangen: Der häufigste und teuerste Fehler. Wer mit 25 statt mit 35 anfängt zu sparen, muss bei gleicher Zielrente monatlich fast die Hälfte weniger einzahlen. Jedes Jahr zählt.
  • Sich auf die gesetzliche Rente verlassen: Das Rentenniveau sinkt seit Jahren und wird weiter sinken. Wer nur auf die gesetzliche Rente baut, wird im Alter mit deutlich weniger auskommen müssen.
  • Zu konservativ anlegen: Viele Deutsche haben Angst vor Aktien und packen ihr Geld aufs Sparbuch oder in Lebensversicherungen mit 0,25 % Garantiezins. Bei 2 % Inflation verlierst du damit real Geld. Langfristig (15+ Jahre) sind breit gestreute Aktien-ETFs die renditesstärkste Anlage.
  • Sich von Provisionsberatern beraten lassen: Bankberater und Versicherungsvertreter verkaufen, was ihnen die höchste Provision bringt — nicht, was für dich am besten ist. Informiere dich unabhängig (Verbraucherzentrale, Finanztip) oder geh zu einem Honorarberater.
  • Die Inflation ignorieren: 2.000 € heute sind nicht 2.000 € in 30 Jahren. Bei 2 % Inflation entsprechen 2.000 € in 30 Jahren nur noch der Kaufkraft von 1.100 € heute. Plane immer in realer Kaufkraft.
  • Vorsorge unterbrechen: Kinderpause, Jobwechsel, finanzielle Engpässe — es gibt immer Gründe, den Sparplan zu pausieren. Versuche, auch in schwierigen Zeiten wenigstens einen kleinen Betrag weiterzusparen. Die Kontinuität ist wichtiger als die Höhe.
Tipp: Setz dich einmal im Jahr hin und überprüfe deine Altersvorsorge. Passe die Sparrate an Gehaltserhöhungen an und prüfe, ob deine Anlagestrategie noch zu deinem Alter passt. Unser Altersvorsorge-Rechner hilft dir, die Zahlen durchzuspielen.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viel gesetzliche Rente bekomme ich?
Das hängt von deinen Entgeltpunkten ab. Pro Jahr, in dem du den Durchschnittslohn verdienst, bekommst du einen Punkt. Ein Punkt ist aktuell 39,32 € Monatsrente wert (West). Wer 45 Jahre lang den Durchschnittslohn verdient, kommt auf 45 × 39,32 € = 1.769 € brutto Rente. Nach Abzügen (Kranken- und Pflegeversicherung, ggf. Steuern) bleiben davon rund 1.450–1.550 € netto. Die genaue Prognose steht in deiner jährlichen Renteninformation.
Lohnt sich die Riester-Rente noch?
Für bestimmte Gruppen ja: Geringverdiener, Familien mit Kindern und Beamte profitieren am meisten von den Zulagen. Bei einer Familie mit zwei Kindern sind das 775 € Zulagen pro Jahr bei nur 4 % Eigenbeitrag (mindestens 60 €). Für gutverdienende Singles ohne Kinder lohnt sich Riester dagegen oft nicht — die Kosten der Verträge fressen die Steuervorteile auf. Prüfe deinen konkreten Fall mit einem Riester-Rechner.
Kann ich mich als Angestellter von der gesetzlichen Rente befreien lassen?
In der Regel nein. Für Angestellte ist die gesetzliche Rentenversicherung Pflicht. Ausnahmen gibt es nur für wenige Berufsgruppen (Ärzte, Anwälte, Architekten mit eigenen Versorgungswerken) und für Minijobber (die sich befreien lassen können, was aber meist nicht empfehlenswert ist). Selbstständige sind grundsätzlich nicht pflichtversichert, müssen aber selbst für das Alter vorsorgen.
Wie viel Prozent meines Einkommens sollte ich für die Rente sparen?
Die gängige Empfehlung liegt bei 15–20 % des Nettoeinkommens — inklusive Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Rente und bAV-Zuschüsse. Wer erst mit über 40 anfängt, sollte eher 25–30 % anpeilen. Wichtig: Diese Prozentzahl umfasst alle Vorsorgeformen zusammen, nicht nur den privaten Sparplan. Nutz unseren Altersvorsorge-Rechner, um deine individuelle Sparrate zu ermitteln.
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Hartono

Gründer, GoFinSolve

Hartono hat GoFinSolve entwickelt, um Finanzmathematik für alle zugänglich zu machen. Alle Rechner und Ratgeber werden von ihm persönlich erstellt und geprüft. Die Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine Finanzberatung dar.